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24./25./26. Februar 2010

Vancouver

Laut Statistiken und Umfragen erzielt Kanada stets vordere Platzierungen in Bezug auf die Lebensqualität. Vancouver im Speziellen wird hierbei regelmäßig als eine von weltweit 3 Städten bewertet. Kriterien hierfür sind unter anderem auch Statistiken über beispielsweise Arbeitslosenquoten und Kriminalität. Diese Lebensqualität besteht jedoch nicht für alle Bevölkerungsschichten. In der BC-Metropole gibt es viele sichtbare soziale Probleme.

Durch den Wirtschaftsboom stieg auch der Wohnungsbedarf vermögender Zuwanderer, insbesondere aus Hongkong. Das hat zu sehr stark steigenden Mieten in der Stadt geführt. So sind in etwa 100.000 Menschen in der Region Vancouver von Obdachlosigkeit bedroht. Rund 2.500 von ihnen leben auf der Straße und eine steigende Zahl von Drogenabhängigen, Kriminalität und Prostitution kommt hinzu. Die auf der Straße erkennbar werdenden Probleme, die so genannten street level social problems, nehemen dabei immer mehr zu. Sie betreffen schon seit einiger Zeit nicht mehr nur die dafür bekannten Stadtteile in Downtown, sondern auch außen gelegene Stadtgebiete, unter anderem mit großen Konsumtempeln wie zum Beispiel Burnaby mit der riesigen Mall Metrotown. Doch vor allem ist die desolate Lebenssituation vieler hundert Bewohner im Umkreis der Main Street zwischen Downtown und Chinatown deutlich sichtbar.

ACOUSTICA ohne Aufsicht

Schon oft erzählten die Einheimischen von einer depressiven Stadt, die Vancouver während ihrer zahlreichen Regentage sein kann. Und die war sie nun die letzten Tage. Auch die 5+1 Wetterleuchten am mit Wolken behängten Musikhimmel drückten sich maulend in ihren Behausungen herum, quengelten mal hier und nölten mal da und wussten nichts so recht mit sich anzufangen. Doch zwischen ihren Auftritten nur schwarze Hunde verjagen ließen sie nicht gelten. Na los, ab in die Startlöcher und wenigstens nach Souvenir - Schnulli und so für die Lieben daheim geschaut!

So ging es mal wieder in die Ladenwelt der BC-Metropole. Kramläden gibt es hier genug, ob Downtown oder auch außerhalb. Manche verkaufen sogar solch einen Unsinn, dass man sie auf die Peinlichkeit ansprechen möchte, T-Shirts mit Miga, Quatschi und Sumi zum Beispiel. Das sind die Maskottchen der Spiele und bestehen aus einem Wal-Bär, einem Bigfoot und einem Bär-Vogel oder irgendetwas. Dann gibt es noch Mukmuk, das Plüsch-Murmeltier. Oder wie wäre es mit einem kleinen Plastikleuchtturm, bei dem du das Licht anschalten kannst?

Halt olympiaorientierter oder olympianeutraler Schnullibulli. Aber davon kriegst du alles! Und sie kauften alles, die musikalischen Schnäppchenjäger des Profitourismus. Na ja, zumindest das, was sie für knorke oder urst befanden. Nun setzte jedoch dieses Kribbeln wieder ein. Dieses Unruhegefühl der ersten Tage, dieser Drang, etwas Unartiges zu tun. „Geht nicht in die verbotene Straße!“ hatten die Aufsichtsfunktionäre des Sportbundes versucht, den 5+1 Schlawinern einzutrichtern. Oh wie süß aber schmeckt die verbotene Frucht! Zack und ab in Richtung Hasting–, Main Street. Die Geschäfte hier sind um einiges günstiger, da nicht so exklusiv und im Umfeld der Grenze zur „Schattenwelt“ tummeln sich viele kleine Galerien und Ateliers von Fotografen, Designern, Künstlern jeder Art. Ach, der Ungehorsam tat mal wieder so richtig gut! Außerdem konnten die 6 Ausreißer noch einmal die andere Seite von Olympia 2010 und dem ganzen Glimmer der Großstadt sehen. So, und jetzt aber schnell wieder auf die Seite der „Guten“ und so geguckt, als wäre nichts gewesen. Irgendetwas muss aber gewesen sein, denn der Nils hatte auf einmal Beschwerden. All seine Schlagadern sahen aus wie die Gartenschläuche und ihm wurde heiß und auah zumute. Als er seinen in Flammen stehenden Oberkörper vom Nicki befreite, breitete sich vor den Augen seiner Kollegen eine Hautlandschaft des Grauens aus. Da blühte es auf dem Rücken und die pulsierenden Beulen im Nacken und Lendenbereich ließen die Geburt mehrerer Aliens vermuten. Was tun? “Emergency Room“ ist eine US-Serie und das hier war Kanada. Also ohne Blaulicht und spannender Filmmusik zur Apothekerin im Deutschen Haus.

Die war eine Verwandte einer berühmten Schamanin, warf einige Tierleichen mit Kräutern in einem heißen Topf zusammen und fertig war das Leben rettende Gebräu für den dahinsiechenden Herrn Parkinson. Ein Knall mit pink-blauer Flamme und der Drummer war wieder repariert. Juchhuh, wie sich da die 6 tanzenden Schunkelmusik-Indianer aber glücklich, so glücklich, dass sie gleich ein Lagerfeuer entzündeten und die Götter der leiblichen Stärkung anriefen. Die meldeten sich auch gleich und gaben in Rauchzeichensprache zu verstehen, es gäbe im „Steamworks“ richtig große Steaks zu erlegen. Na dann nichts wie hin! Mit leeren Mägen lassen sich sogar kanadische Musikfans nur schwer rocken und alle bisherigen Versuche der hungrigen Herren, ein Steakhaus nach ihrer Fasson zu finden, schlugen fehl. Entweder musste man bis nach den Olympics auf einen Platz warten oder eine Ölquelle besitzen (60-80$/Steak ohne Beilagen), um den Fleischhunger zu stillen. Doch im „Steamworks“ hatten ACOUSTICA einen Musikerrabatt, den es nun zu beanspruchen galt. Und siehe da! Die wichtigen Angus Steak Vitamine rüttelten die klingende Olympiamannschaft aus ihrer dreitägigen Leck-mich-am-Arsch-Laune und auf ging es zu neuen Taten.

Fan Fest – ACOUSTICA on stage

Im Zelt wurde langsam spürbar, dass die Olympischen Spiele sich dem Ende zuneigen. Je näher das letzte Wochenende rückte, desto lebendiger geriet die Stimmung im Partyhaus. Die Kanadier hatten ja auch allen Grund zur Freude, räumten sie doch eine Medaille nach der anderen ab und im Hockey lief es auch gut. Das nutzten unsere 6 Erfolgsschmarotzer und schütteten pures Adrenalin und Stimmenöl in ihr Publikum, dass nun von Anfang bis Ende mitsang. „Die sind danach genauso fertig wie wir.“ bemerkte der Soziologe Professor Kerthy nach einem Auftritt weise. Un der hatte recht. Als Beweismittel fingen die Bühnenhaudegen nun auch damit an, die Konzerte mitzuschneiden. Doch das Ende rückt näher und gar eifrig basteln die Jungs an einer Maschine, die die Zeit ein wenig aufhalten kann. Aber das ist Sience Fiction.

Fazit: Nach 15 Tagen besuchten etwa 80.000 Menschen das German Fan Fest zu Wurst, Bier und ACOUSTICA. Das Wochenende wird gewaltig werden!